Der Süd Luangwa Nationalpark im Sambia gehört für mich zweifelsohne zu den schönsten Nationalparks, die ich in den letzten knapp 15 Jahren bereisen durfte.
Dies liegt nicht nur an den traumhaft schönen Landschaften am Luangwa Fluss oder an der unglaublichen Artenvielfalt in dieser Region. Der besondere Reiz liegt für mich in der äußerst gelungenen Kombination von ursprünglichen Bushcamps, die ohne viel „Bling-bling“ auskommen, verbunden mit den für Süd Luangwa so typischen Walking Safaris. Vermutlich haben viele von Ihnen schon einmal eine Fußsafari in dem ein oder anderen Wildreservat unternommen und sicherlich auch viele interessante Details über Fauna und Flora dabei erfahren. Vielleicht haben die ein oder anderen dabei schon einmal die Anweisung erhalten: „Whatever you do – Don’t Run!“ – es ist diese Anweisung im Befehlston, die die Teilnehmer einer Walking Safari wohl nie mehr vergessen werden.

Tatsächlich aber sind die Walking Safaris im Süd Luangwa noch einmal eine ganz andere Kategorie, denn hier im Luangwa Tal liegt die Heimat dieser ganz besonderen Art der Safari. Dies spürt man sofort, wenn man die lokalen Guides dort trifft, die nicht selten schon seit mehr als 20 Jahren hier unterwegs sind. Robin Pope ist einer jener Namen, der noch heute als Qualitätssigel für diese naturnahe Wildniserfahrung gilt. „Safari vom Geländewagen aus ist ein wunderbarer Film, doch Safari zu Fuß bedeutet das Drehbuch zu diesem Film“ – so ungefähr hat Robin Pope als Pionier der naturnahen Wildniserfahrung vor rund 30 Jahren seine Idee der Walking Safari beschrieben. Als er dann schließlich selbst erstmals Gäste zu Fuß durch den Busch begleitete, wurde er zunächst von anderen etablierten Veranstaltern belächelt und von den Behörden kritisch beäugt. Es werde kaum genügend Verrückte geben, die auch noch viel Geld dafür bezahlen würden, dass sie zu Fuß statt auf dem Geländewagen die Wildnis erkunden, so die freudige Annahme der Konkurrenz. Und die Behörden fürchteten um negative Schlagzeilen, mittels der der Verlust von Touristen bekannt gemacht würde.

Beide Prognosen waren verfehlt, das Gegenteil ist der Fall. Inzwischen hat sich die Walking Safari längst zu einem heiß begehrten Naturabenteuer im anspruchsvollen Safaritourismus entwickelt. Noch kein nennenswerter Unfall taucht in der Statistik von Robin Pope Safaris auf, deren Guides inzwischen über drei Jahrzehnte hinweg weit über tausend Gästen die Wildnis Afrikas von der Pike auf erklärt haben. Und die Attraktivität dieses durchaus anspruchsvollen Safariprodukts lässt sich daran ablesen, dass mit Veröffentlichung der nächstjährigen Termine die begehrtesten Hauptsaisonzeiten wie bei einer lang erwarteten Auktion binnen weniger Stunden ausgebucht sind. Ein neuer Trend scheint geboren: Nach Slow Food nun also Slow Safari. 2016 erkor National Geographic die Walking Safari von Robin Pope Safaris zu einer „Tour of a lifetime“ – ein höheres Adelsprädikat für ein touristisches Produkt ist kaum vorstellbar. Es sind vor allem Afrikaliebhaber, die sich nach mehreren Safarierlebnissen der klassischer Art im Süden oder Osten Afrikas eine neue Dimension der Wildniserkundung erschließen möchten. Runter vom Geländewagen, die Stiefel geschnürt, und los geht es.

Dabei sind sich wohl alle Teilnehmer von vornherein bewusst, dass es zu Fuß nicht Ziel sein wird, dem Löwen per Teleobjektiv die Narben auf dem Fell zu zählen. Denn es wäre tatsächlich ein Trugschluss anzunehmen, dass man zu Fuß näher an die Tiere herankommt als vom Fahrzeug aus. Es ist ein anderer Kick, der die Walking Safari so begehrt macht. Die Idee dahinter liegt im Reiz, sich die Wildnis ohne weitere technische Hilfsmittel zu erschließen und an sich selbst verschüttet geglaubte Instinkte zu erkennen. Den inneren Schweinehund zu überwinden. Und: die Wildnis lesen zu lernen. Im Rahmen einer Walking Safari lernt der Gast nicht nur die Anmut und Schönheit einer Giraffe zu schätzen, er interpretiert zugleich ihren verharrenden Blick in eine bestimmte Richtung. Auf einmal ist nicht mehr die Giraffe das Ziel des Interesses, sondern jene Richtung und Stelle, in die sie seit ein paar Minuten unentwegt starrt. Hält sich in der markanten Buschgruppe vielleicht das Löwenrudel versteckt? Plötzlich versteht man, warum sich Zebras und Gnus bevorzugt im Dunstkreis von Giraffen als wandelnden Warnmeldern aufhalten. Doch auch ganz andere Aspekte der Wildnis geraten in den Fokus, die vom Auto aus niemals auffielen. Wie z.B. die hinterhältige Jagdmethode des Ameisenlöwen, der akrobatisch zunächst einen mehrere Zentimeter tiefen Trichter in den lockeren Sand buddelt, sich anschließend in dessen Zentrum eingräbt und von nun an wartet, bis mögliche Opfer den Kraterrand des angehäuften Treibsands überwinden und damit in die tödliche Falle tappen. Einen solchen „Kill“ während mehrerer Minuten von den vorbereitenden Arbeiten an bis hin zum Todeskampf zu verfolgen, ist mindestens ebenso fesselnd wie das Pendant zwischen Löwen und Warzenschwein vom Geländewagen aus.

Eine mehrtägige Walking Safari im Luangwa Tal und damit in einem der letzten nahezu unberührten Wildnisgebiete des südlichen Afrikas, steht und fällt mit dem Personal, das die Gäste unterwegs betreut. Hier wird erst die ganze Komplexität des Unterfangens bewusst. Ein Team von 13 erfahrenen und hochmotivierten Kräften garantiert bei Robin Pope Safaris den Erfolg jeder einzelnen Walking Safari. Als eingespielte Mannschaft sorgt dieses Team während der fünf Tage im Busch für das Funktionieren aller erforderlichen Aspekte: Zeltauf- und Abbau, Verladung auf den Transport-LKW, Transfer von Station zu Station, Bau von sanitären Einrichtungen (insgesamt 2 Buschduschen und 4 WCs stehen den höchstens 6 Gästen zur Verfügung), Bereitstellen von warmem Dusch- und Waschwasser, Kochen und Backen, Getränke in ansprechender Auswahl und in je passender Temperatur, Bereitstellung von Literatur in Form von Lexika und Tierbestimmungsbüchern…an einfach alles ist gedacht. Schließlich der bewaffnete Ranger als die ‚letzte Lebensversicherung‘ in der Wildnis; der Spurenleser; und last but not least der Guide als ein wandelndes Lexikon zur Erklärung der Wildnis und gleichzeitig als Übersetzer aller Zeichen, Formen, Geräusche und Gerüche.

Wie aber muss der Gast sich qualifizieren, um an einer Walking Safari teilnehmen zu können? Hier hat Robin Pope – missverständlich vielleicht, da man ja im Busch auf keinen Fall rennen solle – als Fitnessformel jene 50 Meter als Messlatte definiert, die man sprinten können müsse, um für eine Walking Safari fit genug zu sein. Nicht etwa um vor wütenden Büffeln weglaufen zu können, das wäre ohnehin ein hoffnungsloses Unterfangen. Sondern um anzuzeigen, dass es einer gewissen körperlichen Spannkraft bedarf, um sich während der 4 bis 5-stündigen Tagesetappen, in deren Verlauf etwa 10 Kilometer Strecke durch unwegsames Gelände zurückgelegt werden, wohl zu fühlen. Und bei alldem gilt: „Whatever you do – don’t run!“

 

by Stefanie Klein